Umgang mit Stress und Selbstschutz bei Hass im Netz

3.4 Hilfreiches zur Auseinandersetzung mit Angreifer*innen

Wechsel zur Motivebene

Bei zwischenmenschlichen Interaktionen lässt sich immer eine Motiv- und eine Spielebene unterscheiden. Während die Motivebene die Antriebe und Bedürfnisse der Person beschreibt, bezeichnet die Spielebene das äußere (problematische) Verhalten einer Person. Hinter dem Verhalten eines Menschen können sich grundsätzlich verschiedene Motive verbergen. Gewalttätiges Handeln findet immer auf der Spielebene statt, weil es kein menschliches Grundbedürfnis gibt, andere zu verletzen. Wohl aber gibt es beispielsweise ein legitimes Bedürfnis nach Anerkennung, was die Person durch ihr aggressives Verhalten verteidigen möchte.

Das bedeutet, Interaktion mit schwierigen und aggressiven Menschen, in denen beispielsweise Entwertungen und menschenfeindliche Einstellungen zu Tragen kommen, finden also immer auf der Spielebene statt. Hier ist es hilfreich, auf die Motivebene zu wechseln – also zu ergründen, welche Motive die Person verfolgt. Vielleicht dienen ihre hasserfüllten Ausfälle dazu, Hilfslosigkeit und Angst zu bewältigen. Gelingt es, die dahinterliegenden Bedürfnisse und Motive einer Person zu finden, können diese bestätigt und anerkannt werden, ohne jedoch das hasserfülltes Verhalten der Person zu rechtfertigen. Durch die Anerkennung ihrer Bedürfnisse fühlt sich die angreifende Person verstanden und verhält sich mit hoher Wahrscheinlichkeit weniger aggressiv. Auf diese Weise lassen sich Brücken zum Gegenüber bauen und es wird dadurch auch weniger bedrohlich in der eigenen Wahrnehmung.